Rezension: Glennkill von Leonie Swann

Rezension: Glemmkill von Leonie Swann

Irgendwie hatte bereits jeder, den ich kenne, dieses Buch schon gelesen. Selbst solche Leute, die sonst eigentlich nur wenig bis gar nicht lesen. Sogar in Übersetzungen. Ich war also wirklich schon spät dran.

Der Schäfer George liegt tot auf der Weide. Kein Schaf hat etwas gesehen. Doch wer würde den sanftmütigen George einfach so umbringen? Die Schafe, angeführt von Miss Maple (dem schlausten Schaf von Glennkill und vielleicht der ganzen Welt), beginnen zu ermitteln.

Der Anfang zog mich gleich in seinen Bann, es war sehr spaßig, die verschiedenen Schafe kennenzulernen. Da gibt es Miss Maple, das schlauste Schaf von Glennkill. Sir Ritchfield, der Leitwidder. Othello, das ehemalige Zirkusschaf. Mopple the Whale, das Gedächtnisschaf…. schnell findet man sich in der Herde zurecht, denn kein Schaf ist wie das andere.

Auch die Menschen lernen wir kennen – durch die Augen der Schafe. So gibt es den Metzger, vor dem alle Angst haben, oder den Pastor, der in Gottes Haus wohnt und Gottes Acker pflegt, und deshalb natürlich “Gott” heisst. Gabriel ist ein Schäfer, den alle erstmal toll finden, weil er einen Mantel aus Schurwolle trägt und so gut riecht. Beth dagegen riecht komisch und verteilt immer Hefte mit guten Taten.

Ich hatte trotzdem so meine Bedenken, denn eine Geschichte, die 400 Seiten lang auf ein- und derselben Weide spielen sollte…..? Um Gottes Willen. Wird das nicht langweilig? Wie behält man einen Spannungsbogen in einer Mordermittlung, in der keine (menschlichen) Zeugen oder Tatverdächtigen verhört werden können? Keiner Fingerabdrücke nehmen oer vergleichen kann? Wo obendrein die Ermittler menschliches Verhalten nur schwer deuten können?

Aber meine Zweifel waren unbegründet. Die Schafe sind seit Georges Tod recht viel sich allein überlassen, und so unternehmen sie Ausflüge um im Dorf und der Umgebung zu ermitteln, und das auch recht erfolgreich.

Spoiler
Etwas blöd fand ich, dass sie zwar die Zusammenhänge des Mordes richtig ermitteln, den Täter aber dann doch nur durch Zufall finden, und das Motiv völlig falsch interpretieren.

Auf jeden Fall ist Glennkill eine tolle Abwandlung des traditionellen Krimis, und funktioniert einfach wunderbar!

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Scheintot (Rizzoli & Isles #5)

von Tess Gerritsen

Ich hatte mir ja selbst auferlegt, nur noch einen Band dieser Reihe pro Monat zu lesen, damit ich länger etwas davon habe. Also – ich habe das Buch am 30. September nach dem Abendessen angefangen, mit der Absicht, es “im Oktober” zu lesen. Und was soll ich sagen? Um 5 Uhr morgens am 1. Oktober hatte ich es durch. Auf dem Cover meiner Ausgabe steht eine Kritik: “Putting it down is not an option”, und genauso war es auch. Ich konnte nicht aufhören, und habe es in einer einzigen Nacht durchgelesen.

Es geht um eine junge Frau, der Schreckliches widerfährt, als sie skrupellosen Menschenhändlern in die Hände fällt. Etwa zur gleichen Zeit wacht in Mauras Kühlraum eine Leiche auf, die nicht so tot ist, wie sie eigentlich sein sollte. Jane ist endlich im Mutterschutz, und befindet sich zufällig gerade zur Untersuchung im Krankenhaus nebenan, als sich ein Drama entspinnt.

Bald hat nicht nur das FBI seine Finger im Spiel, sondern auch andere Geheimdienste, die Maura und Jane ständig Steine in den Weg legen. Was soll hier vertuscht werden? Und warum weiss der FBI Chef nicht, was seine Ermittler tun?

Dies war bisher der spannendste Band der Reihe, und ein Buch das mich bis zum Frühstück wach hält, MUSS einfach 5 Sterne bekommen.

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German für Deutsche

von Jo Wüllner

Das hat mir gerade noch gefehlt: ein Buch mit den 666 wichtigsten Anglizismen in der deutschen Sprache. Auch wenn es viele von uns nervt und eigentlich niemand über 18 Denglisch toll findet, können wir in Wirklichkeit schon lange nicht mehr ohne Anglizismen auskommen.

Computer, Upload, Download, Messenger, Smartphone, Laptop – das 21. Jahrhundert bringt und so viele Neuerungen, dass unsere Sprache kaum noch hinterherkommt. Ausserdem werden wir immer internationaler. Wollen wir wirklich auf ‘Klapprechner’ bestehen, wenn der Kollege aus Kanada stammt, der Manager aus Spanien, und der IT-Support in Indien sitzt? Also, ich eigentlich nicht.

Natürlich gibt es unsinniges Zeug, das man sicherlich auch auf deutsch besser ausdrücken könnte. Man muss es ja nicht übertreiben.

Nach etwa 50 Seiten Einführung – in der Wüllner auf ausdrücklichen Wunsch seines Verlegers auch auf die Frage eingeht, ob ‘Sinn machen’ nun ein Anglizismus ist oder nicht – folgt der Wörterbuch-Teil, in dem die 666 wichtigsten Anglizismen aufgeführt, erklärt, und kommentiert werden.

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Das begrabene Buch

von D.M. Pulley

Dieses Buch hatte ich mir über Prime Reading bei Amazon ausgeliehen, und zwar schon 2016, deshalb war es höchste Zeit, es endlich mal zu lesen.

Der Klappentext verspricht die Geschichte von Jasper, dessen Mutter 1952 spurlos verschwindet. Er findet ihr Tagebuch, und macht sich daran, das Geheimnis um ihr Verschwinden aufzuklären. So weit, so gut.

Am Anfang des Buches ist Jasper 9 Jahre alt (ich weiss nicht, ob er am Ende älter ist oder nicht). Seine Mutter wird als ziemlich liebevoll dargestellt, und sein Vater spielt lieber mit ihm Baseball, anstatt ihn für irgendwas zu bestrafen. Trotzdem hat Jasper dauernd – und zwar wirklich dauernd – Angst vor Prügel wenn er nicht zu 100% den Erwartungen der Erwachsenen entspricht.

Das zieht sich bis zu dem Punkt an dem ich abgebrochen habe durch die ganze Geschichte. Es ist eigentlich nur “Angst vor Prügel, etwas Alltag, Angst vor Prügel, Dialog mit Tante, Angst vor Prügel, Schule, Angst vor Prügel…” Er glaubt sogar auf den elektrischen Stuhl zu kommen, als er einem Polizisten nicht gehorcht.

Das hat mich echt extrem genervt, vor allem weil er gar keinen Grund hat vor allem und jedem so eine Angst zu haben. Anfangs mag das ja sein Verhalten noch erklären, aber es gibt irgendwie so gar keinen anderen Aufhänger für Spannung oder Dramatik, ausser “wird Jasper jetzt doch Prügel bekommen?”

Es kam einfach der Punkt, wo mich die Antwort auf diese ewige Frage nicht mehr interessiert hat.

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Schwesternmord (Rizzoli & Isles #4)

von Tess Gerritsen

Maura Isles wird vor ihrem Haus in Boston erschossen. Zumindest glauben das alle – bis Maura mit ihrem Koffer auf dem Heimweg von einer Geschäftsreise ganz quicklebendig am Tatort erscheint. Wer ist die Tote, die ihr zum Verwechseln ähnlich sieht, und was hatte sie vor Mauras Haus zu suchen?

Maura beginnt, in ihrer Vergangenheit zu graben. War die Frau wirklich ihre Zwillingsschwester? Kann sie ihre biologische Mutter finden? Und ihren Vater? Und wer hat es auf sie abgesehen?

In der Zwischenzeit ermittelt Jane Rizzoli in einem anderen Fall, der zunächst nichts mit dem Attentat auf Maura zu tun zu haben scheint. Oder gibt es doch eine Verbindung?

Ich habe diesen Band mal wieder in wenigen Tagen durchgelesen, und musste mich bremsen, Band 5 nicht sofort hinterher zu lesen.

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That Time I Tried to Save Taylor Swift

von Joey Jackson

Aus persönlichem Interesse lese ich immer wieder Bücher über psychische Krankheiten. Zum Thema schizo-affektiver Störungen gibt es allerdings kaum populärwissenschaftliche Literatur. Meiner Erfahrung nach sind fast alle Bücher über dieses Thema Selbsterfahrungsberichte von Betroffenen. Leider sind die wenigsten davon in der Lage, ein interessantes Buch zu schreiben.

Dieses Büchlein machte vom Cover und vom Titel her einen sehr guten Eindruck – endlich mal ein interessantes Buch, dachte ich, nicht so ein selbstverlegtes Heftchen mit Comic Sans im Titel.

Leider bin ich über die ersten paar Seiten nicht hinausgekommen. Der Text rennt ohne Punkt und Komma über die Seite, springt von hier nach da, nach dort. Es ist offensichtlich, dass Joey Jackson seine Gedankenflut nicht wirklich ordnen kann, und dass er dieses Buch genauso geschrieben hat wie er denkt: konfus und durcheinander.

Das Buch hat nur 68 Seiten, aber mehr als 3 davon habe ich nicht ausgehalten.

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Die unsichtbare Bibliothek

von Genevieve Cogman

Dies war ein Buddy Read mit einer Freundin. Sie hat das Buch auf deutsch gelesen, ich auf englisch.

Die unsichtbare Bibliothek existiert zwischen den Universen, und man kann von dort aus in viele verschiedene alternative Welten gelangen. Bevölkert wird sie von Bibliothekaren, die nicht altern, und die Bücher verwalten, sortieren, und sammeln. Als Junior wird man in den Aussendienst geschickt, um in den verschiedenen Welten bestimmte und besondere Bücher zu besorgen.

Irene ist so eine Bibliothekarin, und wird mit einem neuen Lehrling auf eine Mission in eine gefährliche Welt geschickt. Sehr schnell stellt sich heraus, dass es schwieriger wird als gedacht, denn das Buch wurde gestohlen. Auch mit ihrem Lehrling stimmt irgendetwas nicht, und ihre persönliche Widersacherin Bradamant mischt sich ungefragt in Irenes Mission ein. Obendrein scheint auch Alberich – abtrünniger Ex-Bibliothekar und Erzfeind der Bibliothek – seine Finger mit im Spiel zu haben.

Genevieve Cogman hat vorher für Rollenspiel-Verlage geschrieben, und das merkt man auch. Während das Abenteuer in der Welt während der Mission rasant und spannend ist, werden die Hintergründe – in diesem Fall die Bibliothek – fast ausschliesslich durch Erzählungen erklärt, wir ‘erleben’ die Bibliothek kaum, sondern ab und zu kommt so ein kleiner Infodump. Meine Freundin hat das während des Buddy-Reads mehr gestört als mich, ich war im Großen und Ganzen ziemlich zufrieden mit dem Schreibstil.

Ich werde auf jeden Fall weiterlesen.

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Lieber Matz, dein Papa hat ne Meise

von Sebastian Schlösser

Ein erfolgreicher Theater-Regisseur, der immer auf der Überholspur dahinrast, alles im Griff hat, vor Ideen und Tatendrang sprüht. Doch es ist nicht alles so super bei Sebastian, denn seine endlose Energie stammt von einer krankhaften Manie. Das geht so lange gut, bis.. naja, bis es schiefgeht.

Sebastian wird nach einer psychotischen Episode in die Psychiatrie eingewiesen, die er als Wolkenkuckucksheim bezeichnet. Er hat eine Meise, und zwar eine ziemlich große. In Briefen an seinen 8-jährigen Sohn Matz schreibt er auf, wie es überhaupt dazu kam, dass er nun einen “Meisendoktor” braucht.

Aber auch die Fortschritte, die er während der Behandlung macht, erlebt der Leser mit. Sebastian muss sein Leben umkrempeln, und lernen, mit seiner Meise umzugehen.

Ein großartiges Buch über bipolare Störungen, das ich jedem, der damit in Berührung kommt, wärmstens empfehlen kann!

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Rechnung offen

von Inger-Maria Mahlke

Dieses Buch habe ich hauptsächlich wegen des tollen Covers gekauft. Es geht laut Klappentext um die Bewohner eines Mietshauses in Neukölln, die alle irgendwie eine Rechnung offen haben: mit anderen Leuten, mit dem Leben, mit sich selbst. Dazu passt das Coverbild ja wirklich einmalig! Obendrein hat Inger-Maria Mahlke bereits eine ganze Reihe von Literaturpreisen eingeheimst.

Leider kann ich nicht verstehen, warum auch dieses Buch einen Preis bekommen hat. Die Handlung ist völlig zusammenhangslos und springt zwischen den Protagonisten hin und her. Selbige werden größtenteils nur mit ‘er’ oder ‘sie’ identifiziert, so dass man meistens überhaupt nicht nachvollziehen kann, um wen es sich gerade handelt. Bei etwa 8 verschiedenen Protagonisten ist das extrem anstrengend.

Auch Gegenwart und Vergangenheit werden beide im Präsens abgehandelt, manchmal sogar im selben Absatz. Als literarisches Stilmittel vielleicht interessant, für den Leser aber einfach nur verwirrend.

Was mich allerdings am meisten gestört hat, waren die Körperflüssigkeiten. Ich vermute, damit sollte Intimität zu den Figuren erreicht werden, aber ich fand es ziemlich ekelhaft, dauernd von sich sammelndem Schweiß, sickerndem Urin, oder tropfendem Speichel zu lesen. Nähe zu einer Figur geht anders.

Alles in allem ein echter Fehlgriff.

 

Das Kind des Saturn

von Teresa Edgerton

Teleri ist Zauberlehrling am Hof von Celydonn. Doch ihr Lehrmeister Glastyn ist bereits seit Jahren verschwunden, und so lebt sie unauffällig im Magierturm vor sich hin und lernt allein aus Büchern.

Eines Tages kündigt sich im Schloß hoher Besuch an: Diaspad, die Halbschwester von König Cynwas, zieht mit ihrem Gefolge in Celydonn ein. Sie will ihren Sohn als Thronfolger des kinderlosen Cynwas etablieren, und schreckt nicht vor Intrigen und schwarzer Magie zurück.

Ich fand die Prämisse des Buches etwas schwach. Ein kinderloser König, der einen einzigen Neffen im richtigen Alter hat – der bietet sich doch als Erbe geradezu an, egal was die Tante für schwarze Magie hat. Dafür, dass Zauberlehrling Teleri in die Fußstapfen von Magier Gastyn tritt, zaubert sie sehr, sehr, sehr wenig. Ceilyn, Ritter im Dienste der Königin, freundet sich so halb mit Teleri an, und hat ein Geheimnis. Das wäre total spannend gewesen, wenn es nicht kurz nachdem wir es erfahren, für den Rest des Buches völlig unerwähnt bliebe. Ach doch, auf der allerletzten Seite spielt es eine Rolle.

Die Handlung plätschert so vor sich hin – höfisches Leben, kleine und mittlere Intrigen, ein paar leicht magisch angehauchte Vorkommnisse. Irgendwie fehlt der rote Faden. Am Schluss gibt es eine Verschwörung, von der wir als Leser aber überhaupt nicht wissen was das soll, und wozu die Aktion eigentlich dient. Nach dem Showdown bricht die Handlung ziemlich abrupt ab, es fehlt irgendwie die Auflösung.

Alle Orts- und Personennamen sind auf Walisisch, was das Lesen manchmal recht anstrengend macht, weil man sich die Namen nur schwer merken kann und nie so recht weiss, wer was wo tut. So ging es mir jedenfalls. Am Anfang des Buches ist eine Karte, die mir aber kaum geholfen hat, und ein Namensverzeichnis mit Aussprache-Hinweisen. Das fand ich eher doof, denn wenn sich ein Autor dafür entscheidet, völlig abgefahrene Namen und Schreibweisen zu verwenden, dann hat er mir als Leser nicht vorzuschreiben, wie ich die in meinem Kopf auszusprechen habe. Obendrein standen da wenig hilfreiche Hinweise drin wie: “-ll wird ausgesprochen wie -ll auf Walisisch” und “..alle Namen werden walisisch ausgesprochen, ausser die, wo ich mich für eine andere Aussprache entschieden habe.” – Ach so. Du mich auch.

Ich habe auch nicht herausgefunden wer das titelgebende Kind ist, oder was es mit dem Saturn zu tun hat, der auch nicht vorkommt.

Alles in allem werde ich wahrscheinlich nicht weiterlesen.

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