Nowhere Girl – Cheryl Diamond

Als Kind von gesetzlosen Eltern wird Harbhajan, die sich später Cheryl nennt, schon von klein auf zu einem kriminellen Leben erzogen. Mit gefälschten Papieren und immer wechselnden Identitäten zieht die Familie quer über den Globus, immer auf der Flucht vor Interpol und dunklen Gestalten, die ihnen ans Leder wollen.

Dies ist eine Autobiografie, die viele Leser sehr berührt und mitgerissen hat. Das Buch hat im Moment auf Goodreads ein Sterne-Ranking von 4.11 (von 5) und über 450 Rezensionen. Die außergewöhnliche Kindheit und Jugend dieser jungen Frau und ihr Kampf um eine eigene legale Identität sind wirklich interessant.

Trotzdem bekommt das Buch von mir nur 2 Sterne, also die Wertung “Es war okay”.

Warum? Nun, ich bin ein Leser, der Hintergrundwissen möchte. Nicht, um zu überprüfen, was der Autor da schreibt, sondern um noch tiefer in die Geschichte eintauchen zu können. Und manche Ereignisse in Cheryls Geschichte, die sich leicht durch simples googeln überprüfen lassen, passen überhaupt nicht mit den Zeitangaben aus dem Buch zusammen. Vorfälle, die 4 Jahre auseinander liegen, passieren im Buch innerhalb von 2 Jahren, jedenfalls wenn man ihren Altersangaben glaubt.

Nun gut, ihre Papiere und Geburtsurkunde waren gefälscht, wer weiss schon, wann sie wirklich geboren wurde, vielleicht am wenigsten sie selbst. Aber spätestens beim Schreiben des Buches hätte auch Cheryl die Daten überprüfen können, und sich überlegen können, ob sie wirklich erst 13 war, oder doch schon 15. Denn für jemanden, der so locker mit Zeitangaben umgeht, sind ihre Erinnerungen an Details, Umstände und ganze Dialoge mit ihrer Familie aus ihrer frühen Kindheit, sehr detailliert. Schon als Vierjährige will sie unheimlich erwachsene Gespräche mit ihrem Vater geführt haben, und erinnert sich an Details und Begebenheiten, die sich einem normalen Kleinkind in dem Alter überhaupt nicht erschliessen (sollten).

Je weiter ich gelesen habe, desto mehr zog sich das Buch, zum Schluss wie Kaugummi. Und ich bekam mehr und mehr den Eindruck, dass Cheryl ihre Lebensgeschichte um einiges aufgehübscht hat und Dinge ausgeschmückt oder dazuerfunden hat. Alleine schon, wie ihre Familie mit gefälschten brasilianischen Ausweisen “mal eben so” die israelische Grenzpolizei – eines der strengsten Sicherheitsorgane der Welt – hinters Licht führt, ist schon zweifelhaft. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen, aber ich musste beim Lesen immer öfter mit den Augen rollen und “Achso, ist klar…” denken.

Wem es egal ist, wieviel Wahrheit in einer spannenden Lebensgeschichte steckt, dem werden diese Kleinigkeiten wahrscheinlich nicht auffallen.

ISBN: 978-3959103350
Verlag: Eden Books
Erschienen: 01. Okt 2021
Seiten: 400 Seiten
Preis: 19,95 Euro

Amazon  Thalia  Buch24  Buecher

Christina, Königin von Schweden

von Veronica Buckley

Ich weiss gar nicht mehr, wo ich dieses Buch aufgegabelt habe. Auch wenn ich durchaus ab und zu gerne Biografien lese, war mir Christina von Schweden vorher überhaupt kein Begriff.

Nach der Lektüre bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich Christina nicht ausstehen kann. Ich finde sie egoistisch, selbstsüchtig, und nur auf den eigenen Vorteil bedacht.

Das Buch hat trotzdem 4 Sterne von mir bekommen, weil es wirklich (wirklich!) spannend ist. Die Lebensumstände Christinas sind hervorragend recherchiert, und viele kleine Episoden und Vorkommnisse machen ihre Geschichte sehr lebendig und persönlich. Wie kommt es dazu, dass eine protestantische Königin mit 28 Jahren abdankt, und ihr Land im Stich lässt, um stantepede zum katholischen Glauben überzutreten und fortan in Männerkleidung durch Europa zu tingeln?

Das Buch rollt ihr Leben von ihrer Kindheit an auf, und begleitet sie durch alle Lebenslagen bis zu ihrem Tod in Rom im Alter von 62 Jahren.

Die Biografie stützt sich auf viele Quellen aus Archiven, und ist wirklich sehr, sehr lesenswert. Ein tolles Buch! Auch wenn Christina doof ist.