Teufelsfrucht – Tom Hillenbrand

Ich habe selten ein so gut recherchiertes Buch gelesen, und war ziemlich überrascht, nach der Lektüre herauszufinden, dass Tom Hillenbrand nicht ausgebildeter Koch, sondern Journalist ist.

Sein Guide Gabin war so überzeugend erfunden, dass ich dachte, den gäbe es wirklich.

Was mich gleich zur meiner nächsten Frage führte: Was hält eigentlich der Guide Gabin davon, dass so über ihn geschrieben wird? Doch nein – ich dachte natürlich an den echten Guide Michelin.

Es geht um den ehemaligen Sternekoch Xavier Kieffers, in dessen kleinem Restaurant in Luxemburg ein Restaurantkritiker stirbt. Die Polizei ermittelt, doch Xavier wird unvermutet in einen Komplott verwickelt, und als es ihm plötzlich selbst an den Kragen gehen soll, muss er auf eigene Faust ermitteln, um mit heiler Haut davonzukommen.

Der Krimi ist recht rasant geschrieben, und die Geschichte ist durchweg spannend. Die Nebenfiguren sind glaubhaft und lebendig, nur Xavier selbst fand ich etwas zu raffiniert.

Achtung Spoiler: (aufklappen)

Es gibt gleich zwei Szenen, in denen er Verfolgern entkommt, scheinbar ohne größere Mühen. Dabei wird im Buch mehrmals erwähnt, dass er nicht gerade schlank ist (was mich wundern lässt, wie er die erste Szene gemeistert hat), und auch nicht besonders sportlich. Bei der zweiten Szene kommt der durchtrainierte Verfolger deutlich schlechter weg als er, und ich musste etwas mit den Augen rollen. Hat mich fast gefreut, als er dann später auch mal eins auf die Glocke bekommt.

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Leider spielt das Buch in einem Milieu, mit dem ich so gar nichts anfangen kann: Restaurantküchen, Gastrobetriebe, Haute Cuisine. Es werden viele – viele – Gerichte und Zutaten erwähnt, teils mit ihren französischen Bezeichnungen, mit denen ich einfach überhaupt nichts anfangen konnte. Wenn ich nicht dauernd das Buch weglegen und googeln wollte, musste ich wohl oder übel einfach darüber hinweglesen.

Nun ja, letztendlich ist es für den Krimi selbst auch unerheblich, ob in diesem oder jenem Topf jetzt Austern oder Erdnüsse sind, aber ich kam mir als unwissender Leser die ganze Zeit etwas vorgeführt vor. So als müsste ich als geneigter Krimileser einfach wissen, was das alles ist. Am ENDE des Buches gab es dann ein Glossar, das all diese Begriffe erklärt, aber der normale Null-Acht-Fuffzehn-Leser findet das nicht, bis er das Buch zu Ende gelesen hat.

Für etwas kochbegeistertere Leser, oder sogar jemanden aus dem Métier, ist das Buch sicher ein Heidenspaß. Wie gesagt, es ist sehr gut recherchiert. Aber für mich wurden diese endlosen Erwähnungen von Dies a la Das und Sowieso au Trallala nach dem halben Buch einfach langweilig. Jedesmal, wenn Xavier nach einer Flasche Schiessmichtot greift, habe ich ehrlich keine Ahnung, ob es sich um Weißwein oder Whisky handelt.

Das stört mein Kopfkino, deshalb gibt es von mir nur 3 Sterne. Es hat mir gefallen, aber nicht ausreichend für 4 Sterne. Den Autoren Tom Hillenbrand behalte ich aber auf dem Radar, denn schreiben kann er wirklich gut.

Das Buch zählt als mein Eintrag für Luxemburg in meiner literarischen Europa-Reise.

ISBN: 978-3462042870
Verlag: Kiwi Taschenbuch
Erschienen: 18. April 2011
Seiten: 304 Seiten
Preis: 11,00 Euro

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